Mitgliederversammlung des LPV Neumarkt mit Ehrung der Biotopgruppe „Engelloh-Trautmanns­hofen“

Trautmannshofen. Ein Höhepunkt der diesjährigen Mitgliederversammlung des Landschaftspflegeverbands Neumarkt i.d.OPf. e.V.  war die Würdigung der Biotopgruppe „Engelloh Trautmannhofen“. Nur durch deren jahrzehntelanges Engagement konnte der Magerrasen am Engelloh mit seiner herausragenden Artenvielfalt erhalten werden. Daher ist das Engelloh zu Recht ein Teil des europaweiten Netzes „Natura 2000“. Dafür gab es nun die von Staatsminister Glauber unterzeichnete Urkunde „Natura 2000-Partnerschaft“. Landrat Willibald Gailler und Dr. Christina Meindl von der Höheren Naturschutzbehörde überreichten die Urkunde an die Brüder Jakob und Leonhard Lehmeier, die diese Auszeichnung stellvertretend für die gesamte Biotopgruppe entgegennahmen. Die Ehrung ist Teil des EU-geförderten Kommunikationsprojekts für das europäische Naturerbe Natura 2000 in Bayern.

An den  Anfang seines Berichts stellte Landrat und Vorstandsvorsitzender Willibald Gailler das Biodiversitätsprojekt „Juradistl“, dasmittlerweile seitzehn Jahren unter dem Motto „Schützen durch Nützen“ Naturschutz und Landschaftspflege umsetzt und in das Bewusstsein rückt. Durch die Verbindung von Naturschutz und Genuss und die intensive und kreative Bewusstseinsbildung der Öffentlichkeit für das Thema Biodiversität war der Landschaftspflegeverband in diesem Projekt Vorreiter und ist damit heute aktueller denn je.

„Juradistl“ kennt fast jeder – und das hat vor allem mit den Juradistl-Produkten und den Partnern bei der Vermarktung zu tun. Auf ganz besonders großes Interesse stößt das jüngste Produkt: der Juradistl-Honig. Neben Juradistl-Lamm, Juradistl-Weiderind und Juradistl-Apfelschorle gibt es nun seit vergangenem Herbst einen Juradistl-Honig. Fing es mit zwei Imkern im Landkreis Neumarkt an, so sind es momentan zwölf Juradistl-Imker allein im Landkreis Neumarkt, die unter den strengen Produktionskriterien von Juradistl und mit einem einheitlichen Markenauftritt den Honig aus der Juradistl-Region vertreiben. Die Juradistl-Imker verpflichten sich unter anderem zu einer Begrenzung der Beuten pro Standort, zum Verzicht auf gentechnisch veränderte Substanzen oder Antibiotika. Eine jährliche Wachsanalyse, die keine Pestizid-Rückstände aufweisen darf, ist verpflichtend und muss bereits vor der Aufnahme in das Juradistl-System vorgelegt werden. Diese klaren Regeln sind äußerst wichtig und sind entscheidend für das Vertrauen der Verbraucher.

Für den Juradistl-Honig braucht es blütenreiche Flächen und diese sind besonders dort anzutreffen, wo durch Landschaftspflegemaßnahmen artenreiche Lebensräume erhalten, verbessert oder neugeschaffen werden.

Im Jahr 2018 konnten insgesamt 122 Landschaftspflegemaßnahmen mit einem Kostenvolumen von über 400.000 € umgesetzt werden. Mit der Umsetzung dieser 122 Maßnahmen erfolgte die konkrete Pflege von rund 80 Hektar ökologisch wertvoller Lebensräume im Landkreis Neumarkt. Rund 44 Hektar entfallen auf die Pflege von Magerrasen wie die Wacholderheiden an den Talhängen von Weißer und Schwarzer Laber oder in der Kuppenalb um Velburg und Hohenfels. Mit rund 36 Hektar wird die Pflege von Feuchtflächen immer bedeutsamer. Pflegeschwerpunkte liegen hier im Deusmauer Moor, im Waltersberger Moor oder im Lengenbachtal. Darüber hinaus erfolgen Pflanzungen von Hecken und Obstbäumen und die Pflege von Kopfweiden.

Um dieses hohe Maßnahmenvolumen Jahr für Jahr gut bewältigen zu können, ist ein reibungsloses Zusammenarbeiten zwischen Landschaftspflegeverband und Naturschutzverwaltung als Genehmigungsbehörde unerlässlich. Für diese vertrauensvolle, immer konstruktive Zusammen­arbeit bedankte sich Landrat Gailler bei der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung der Oberpfalz sowie bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt ausdrücklich. Ein besonderer Dank ging an alle Landwirte, die diese umfangreichen und meist sehr anspruchsvollen Landschaftspflegearbeiten auf meist schwierigstem Gelände ausführen. Sie tragen mit diesen Arbeiten wesentlich dazu bei, dass die größten Naturschätze im Landkreis erhalten bleiben.

Im Arbeitsbereich der Gewässerentwicklung konnte im Jahr 2018 die Renaturierung des Hengerbachs in der Marktgemeinde Postbauer-Heng abgeschlossen werden.Auf rund 1,3 km Länge fließt der Hengerbach nun wieder in einem naturnahen Bachbett. Auf den angrenzenden Flächen entstanden Feuchtmulden und extensiv genutzte Wiesen. Der Flächenankauf erfolgte über Ersatzgelder, abgewickelt zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde.

Als neues Projekt wird eine Renaturierungsmaßnahme am Oberlauf der Lach südlich von Berngauangegangen. Im Rahmen eines von der Gemeinde Berngau geplanten „Grünen Klassenzimmers“ im Bereich der alten Kläranlage Berngau, erfolgt die Renaturierung der angrenzenden Bäche, um hier das geeignete Umfeld für die geplanten Umweltbildungsaktionen zu schaffen. Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg fördert diese umfangreichen Maßnahmen mit einem Fördersatz von 75 %.

Seit dem Jahr 2016 wird auch wieder die Heckenpflege im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms durchgeführt. Der Landschaftspflegeverband beantragte die Erneuerungs-Pflege für insgesamt 17 Heckenelemente in Gemeindegebieten von Dietfurt, Seubersdorf, Pilsach, Lauterhofen und Neumarkt. Die Pflege erstreckt sich jeweils über fünf Jahre, da immer nur ein abschnittsweises Vorgehen fachlich richtig ist. Auch hier erfolgt die Ausführung, wie bei der Landschaftspflege, über Landwirte. Um eine fachgerechte Heckenpflege über die Maßnahmen des Landschaftspflegeverbands hinaus sicherzustellen, ist viel Aufklärungsarbeit erforderlich. So erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband ein Anschreiben der Unteren Naturschutzbehörde an alle Kommunen mit Darstellung der rechtlichen und fachlichen Grundprinzipien der Heckenpflege. Bei der letzten Bauhofleitertagung der kommunalen Bauhöfe wurde ebenfalls über die fachgerechte Pflege von Hecken und Bäumen informiert.

Die Auszahlungen für alle durchgeführten Maßnahmen der Landschaftspflege, Gewässer­entwicklung und Heckenpflege betrugen im Haushaltsjahr 2018 rund 521.500 €. Der Landschaftspflegeverband erhielt 2018 hierfür Zuschüssein Höhe von rund 420.500 €.

Mit einem mittlerweile jährlichen Maßnahmenvolumen von über eine halbe Million Euro schafft der Landschaftspflegeverband ein verlässliches Zusatzeinkommen, vorrangig für in der Landschaftspflege tätige Landwirte.

In Ersatzgeld-Projekt kann aufgrund der Projektverlängerung um weitere fünf Jahre die Arbeit nahtlos fortgesetzt werden. Der Landschaftspflegeverband ist von der Unteren Naturschutzbehörde in Abstimmung mit dem Bayerischen Naturschutzfonds beauftragt, hier nun insbesondere noch ausstehende ökologische Aufwertungsmaßnahmen sowie die notwendigen Folgepflegemaßnahmen auf den Ankaufsflächen umzusetzen. Insgesamt wurden im Rahmen des Folgeprojekts bisher Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in Höhe von rund 57.000 € umgesetzt. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, die Folgepflege der Ankaufsflächen langfristig in Förderprogramme wie das Vertragsnaturschutzprogramm oder das Landschaftspflegeprogramm zu überführen. So werden bereits über 12 ha der Ankaufsflächen über staatliche Förderprogramme extensiv bewirtschaftet und gepflegt.

Sehr erfreulich ist, dass im vergangenen Jahr die Einrichtung einer Gebietsbetreuung für den Landkreis Neumarkt, unter Trägerschaft des Landschaftspflegeverbands, gelang. Dadurch konnte im August 2018 Frau Johanna Bär diese Projektstelle beim Landschaftspflegeverband antreten.

Das vorbereitende Förderkonzept wurde in enger Abstimmung mit der Höheren und Unteren Naturschutzbehörde erarbeitet. Die Gebietsbetreuung umfasst im Wesentlichen eine Projektstelle und wird mit ca. 80 % durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert. Die Gebietsbetreuung erstreckt sich schwerpunktmäßig auf die Juralandschaften im Nordostteil des Landkreises Neumarkt mit seinen bedeutenden NATURA 2000-Gebieten wie Tal der Schwarzen Laber, Lauterachtal, Deusmauer Moor, Velburger Kuppenalb oder Lengenbachtal bei Neumarkt. Die Mitwirkung bei der Umsetzung der Ziele und Maßnahmen in den NATURA 2000-Gebieten als Vermittler zwischen Mensch und Naturschutz ist Hauptaufgabe der Gebietsbetreuerin.

Das Umweltbildungs- und Regionalentwicklungszentrum HAUS AM HABSBERGist nun seit über zehn Jahren die zentrale Plattform zur Vermittlung der Themen zur Nachhaltigkeit, zum bewussten Konsum, zur Sensibilisierung der Menschen für Naturschutz und Landschaftspflege, für den Ressourcenschutz und vieles mehr. Die Gesellschaft ist hier interessierter denn je und fordert die Auseinandersetzung mit diesen Themen auch ein. Direkt spürbar ist dies zum Beispiel beim aktuell überaus großen Zuspruch bei Naturführungen; das Interesse ist hier deutlich höher als in den vergangenen Jahren.

Insgesamt war auch im Jahr 2018 mit über 10.000 Teilnehmern immer etwas los am HAUS AM HABSBERG und den weiteren Veranstaltungsorten. In 72 öffentlichen Veranstaltungen des Jahresprogramms sowie 90 Umweltbildungseinheiten, insbesondere für Schulklassen, konnte die Themenvielfalt mit viel Kreativität, aber auch fundiertem Fachwissen, weitergegeben werden.

Wichtiger Baustein der Arbeit ist die Schulung von Multiplikatoren, um die Umweltbildung stärker in der Gesellschaft, insbesondere im Bildungssystem, zu verankern. Hierzu fanden mehrere Fortbildungsseminare für Naturparkführer, Lehrer und Referendare statt.

In einem neuen Umweltbildungsprojekt werden momentan verschiedene Erlebnisstationen zum Thema „Energiezukunft – Klimaroute im Regionalpark Quellenreich“ konzipiert. Sie sollen im Bereich der vier Regionalparkgemeinden Lauter­hofen, Neumarkt, Pilsach und Velburg das Thema „Erneuerbare Energien“ anschaulich erlebbar machen. Die Umsetzung dieser Klimaroute erfolgt im Laufe der nächsten zwei Jahre und ist wichtiger Baustein in der Umsetzung des in den letzten drei Jahren entwickelten Konzepts für den Regionalpark Quellenreich. Dieses Konzept und bereits laufende Projekte stellte Michael Gottschalk, Abteilungsleiter der Kreisentwicklung, im Rahmen der Mitgliederversammlung vor. Der Landschaftspflegeverband ist von den vier Projektgemeinden beauftragt, ab 01.September dieses Jahres die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft des Regionalparks Quellenreich zu übernehmen und die angestoßenen Projekte fort- und weiterzuentwickeln.

Abschließend bedankte sich Landrat Willibald Gailler bei allen Mitgliedern, bei der Vorstandschaft und dem Fachbeirat, bei der Geschäftsstelle sowie bei allen Ökosponsoren, die mit ihrem Beitrag die Projekte des Landschaftspflegeverbands nachhaltig seit vielen Jahren unterstützen.