25-jähriges Bündnis für Mensch und Natur: Mitgliederversammlung des Landschaftspflegeverbands

Ein Film zum Jubiläum

4700 gepflanzte Obstbäume, 15 Kilometer renaturierte Fließgewässer, 1210 Hektar Pflegefläche verteilt auf 285 Flächenkomplexe in der Landschaftspflege: Eindrucksvolle Zahlen, viel Lob für die Geschäftsstelle und ihren Gründungsgeschäftsführer Werner Thumann, die Neuwahl der Vorstandschaft, ein eindrucksvoller Film  sowie ein spannender Vortrag prägten das Jubiläumsprogramm der Mitgliederversammlung des Landschaftspflegeverbands Neumarkt i.d.OPf. e.V. am 14. September.

Vor fast genau 25 Jahren, am 10. Oktober 1995, gründete sich der Landschaftspflegeverband Neu­markt i.d.OPf. e.V. Die zentrale Aufgabe, ausgedrückt im Slogan „Wir sorgen dafür, dass Lebensräume Heimat bleiben“, ist so aktuell wie vor 25 Jahren, die Arbeitsbereiche, die Projektvielfalt und der Arbeitsumfang sind gewaltig gestiegen. Landschaftspflegemaßnahmen, Gewässer­renaturierung, Heckenpflege, Artenhilfsprojekte, Gebietsbetreuung, Umsetzung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, Entwicklung von naturbetonten touristischen Angeboten, Entwicklung und Betreuung der Naturschutzprodukte „Juradistl“, fachliche Leitung des Umweltbildungs- und Regio­nalentwicklungszentrums HAUS AM HABSBERG - das alles sind mittlerweile feste Aufgaben im Landschaftspflegeverband. Dies spiegelt sich im jährlichen Haushaltsvolumen von mittlerweile fast einer Million Euro.

Als Festreferent begrüßte Landrat Gailler Herrn Ministerialrat Georg Schlapp, Stiftungsvorstand des Bayerischen Naturschutzfonds, der in seinem Vortrag „Naturschutzfonds und Landschaftspfle­geverbände gemeinsam für Bayerns Natur“ viele Förderprojekte des Bayerischen Naturschutz­fonds vorstellte. Momentan setzt der Landschaftspflegeverband mit Unterstützung und Förderung durch den Baye­rischen Naturschutzfonds drei Großprojekte um: das Ersatz­geldprojekt (seit 2013), die Gebietsbetreuung „Juralandschaften“ (seit 2018) sowie das Pro­jekt Deusmauer Moor-Besucherlenkung und innovative Moornutzung (seit Herbst 2019).

Die Landschaftspflege ist nach wie vor das deutlich umsatz­stärkste Tätigkeitsfeld. Es leistet mittlerweile jährlich rund 140 Landschaftspflegemaßnahmen einen wesentlichen Beitrag zum Arten- und Biotopschutz und zum Bio­topverbund im Landkreis und sorgt dafür, dass Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaften und Le­bensräume für die heimische Tier- und Pflanzen­welt erhalten bleiben. Durch die Landschaftspflegemaßnahmen werden mittlerweile alle wesentlichen Flächen im Land­kreis, die für den Erhalt unserer Artenvielfalt entscheidend sind und die unsere charakteristische Landschaft ausmachen, erhalten und gepflegt. Zu den Aufgaben gehört auch die Neuanlage von Biotopverbundstrukturen wie Hecken und Streuobstbeständen.

Im Jahr 2019 wurden Landschaftspflegemaßnahmen mit einem Kostenvolumen von rund 422.000 € umgesetzt - abermals eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Dabei sind die Landwirte die wichtigsten Partner für die Umsetzung der umfangreichen Land­schaftspflegemaßnahmen.

Neben der Landschaftspflege ist die Gewässerentwicklung in enger Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Regensburg ein sehr wichtiges Arbeitsfeld im Landschaftspflegeverband.

15 Kilometer renaturierte Fließgewässer sind die bisherige Bilanz. Neue Projekte wie am Möninger Bach oder an der Schwarzach bei Rengersricht stehen am Start. Heckenpflegemaßnahmen im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms, für die es seit 2016 wieder eine Förderung gibt, werden kontinuierlich umgesetzt. Im Winter 2019/20 wurden an 23 Heckenelementen Schnittmaßnahmen gemäß der ausgearbeiteten 5-Jahres-Pflege­konzepte durchgeführt.

Die Auszahlungen für alle durchgeführten Maßnahmen der Landschaftspflege, Gewässer­entwick­lung und Heckenpflege betrugen im Haushaltsjahr 2019 rund 455.000 €. Der Land­schaftspflegever­band erhielt 2019 für diese Arbeitsfelder Zuschüssein Höhe von rund 478.600 €.

Im Ersatzgeld-Projekt kann aufgrund der Projektverlängerung um weitere fünf Jahre die Arbeit naht­los fortgesetzt werden. Der Landschaftspflegeverband ist von der Unteren Naturschutzbehörde in Abstimmung mit dem Bayerischen Naturschutzfonds beauftragt, hier nun insbesondere noch aus­stehende ökologische Aufwertungsmaßnahmen sowie die notwendigen Folgepflegemaßnahmen auf den Ankaufsflächen umzusetzen. Zum zu betreuenden Flächenpool kamen im Jahr 2019 zwei weitere Ankaufsflächen hinzu, so dass hier momentan rund 40 Hektar betreut werden. Besonders beispielhaft ist hier der sehr gelungene ökologische Umbau einer aufgelassenen Teich­anlage bei Haslach in der Gemeinde Berg.

Gefördert durch den Bayerischen Naturschutzfonds und unterstützt durch die Höhere Naturschutzbehörde gibt es beim Landschaftspflegeverband seit August 2018 eine Gebiets­betreuerstelle. Die Gebietsbetreuung erstreckt sich schwerpunktmäßig auf die Juralandschaf­ten im Nordostteil des Landkreises Neumarkt. Wesentliche Aufgaben im Jahr 2019 waren die Konzeption und Durchführung von Naturführungen mit Schwerpunkt im Deusmauer Moor sowie im gesamten Tal der Schwarzen Laber, die Konflikt­minimierung bei Biberanstau, die Mitwirkung bei der Kletterkonzeption für den Landkreis, die Betreuung von gezielten Artenschutzmaßnahmen, z.B. für den stark gefährdeten Wendehals, die Abwicklung von Flächenankäufen oder die Betreuung eines Biodiversitäts-Seminars für Schülerinnen und Schüler des Willibald-Gluck-Gymnasiums.

Ein für den Naturschutz und die Landschaftspflege im Landkreis Neumarkt überaus bedeutsames Projekt zum Schutz und zur ökologischen Weiterentwicklung des Deusmauer Moors und angrenzender Bereiche ging im Herbst 2019 an den Start. Das Umsetzungsprojekt bietet die einmalige Chance, das Thema der Besucherlenkung mit Sensibi­lisierung der Bevölkerung für den Moorschutz, die Ausdehnung von Landschaftspflegeflächen, den Ankauf von Flächen sowie das Thema einer umweltgerechten Moornutzung auf innovative Weise umzusetzen.

Ein sehr großes und wichtiges Anliegen ist dem Landschaftspflegeverband, die Landschaft erlebbar und genießbar zu machen. Seit 2007 bietet hier das Umweltbildungs- und Regionalentwicklungs-zentrum HAUS AM HABSBERG eine Fülle von vielfältigen und anspruchsvollen Veranstaltungen an, um die Natur mit allen Sinnen zu erleben. Jährlich werden rund 10 000 Teilnehmer aller Altersstufen erreicht. Ein Blick auf die Gesamtbilanz der vergangenen 13 Jahre belegt eindrucksvoll, dass man hier auf dem richtigen Weg ist: In 899 öffentlichen Veranstaltungen und 3.034 individuell or­ganisierten Umweltbildungseinheiten und Seminaren konnten bisher insgesamt 115.844 Teilneh­mer erreicht werden. Die Wertschätzung der Bevölkerung für diese Angebote und Naturführungen wurde gerade in der Corona-Zeit besonders deutlich. Das Natursommer-Programm 2020, das sofort nach den ersten Lockerungen auf die Beine gestellt wurde, war sehr willkom­men. Mit Wildkräuterspaziergängen, geführten Natur-Wanderungen und Radtouren trifft das HAUS AM HABSBERG den Nerv der Zeit.

Seit vielen Jahren steht auch das Juradistl-Projekt mit den Produkten Juradistl-Lamm, Juradistl-Weiderind, Juradistl-Streubost und Juradistl-Honig für die perfekte Verbindung von Genuss, Nach­haltigkeit, Regionalität und Naturschutz. Das jüngste Produkt, der Juradistl-Honig, entwickelt sich zum echten Verkaufsschlager. Im ersten Projektjahr konnten bereits 12.000 Gläser dieses Naturschutz-Produkts verkauft werden. Um gerade in der Corona-Zeit das Bewusstsein für Regionalität zu stärken und zum Konsum der kurzen Wege und des Vertrauens zu animieren, wurden für die Juradistl-Partnerbetriebe im Früh­jahr und im Sommer zwei Plakatkampagnen durchgeführt. Die markanten roten Plakate mit Slogans wie „Echt optimal ist jetzt regional“ oder „Sommerzeit ist Juradistl-Zeit“ sorgen für Aufse­hen im positiven Sinne und waren bei den Juradistl-Partnern sehr begehrt.

Zunehmend werden auch im Bereich der nachhaltigen Regionalentwicklung Aufgaben und Projekte übernommen. Seit September 2019 hat der Landschaftspflegeverband die Geschäftsfüh­rung des Regionalparks QuellenReich Neumarkt inne. Die Kommunen Neumarkt, Pilsach, Lauterhofen und Velburg wollen als „Regionalpark QuellenReich“ die Entwicklung ihrer Region gemeinsam stärken und nachhaltig vorantreiben. Das Projekt befindet sich aktuell in der zweiten Leader-Förderphase, die erstellten Konzepte und Ideen werden derzeitunter Federführung des Landschaftspflegeverbands umgesetzt. Dazu gehören u.a. die Regionalpark-Radroute mit Schaffung von Rast- und Informa­tionsstationen (sogenannte Oasen), ein Naturweg der Hoffnung und Stille bei Unterried, das Haus­namenprojekt sowie die Erstellung eines Regionalpark-Magazins.

Eine hervorragende Ergänzung mit Ausdehnung dieser Themen auf den gesamten Landkreis ist durch das neu aufgelegte Förderprogramm des Finanz- und Heimatministeriums „Regionale Identi­tät – Heimat leben und erleben“ möglich. Hier hat sich der Landschaftspflegeverband zusammen mit der Kreisentwicklungsabteilung, mit Herrn Michael Gottschalk, erfolgreich beworben.

Abschließend bedankte sich Landrat Willibald Gailler ausdrücklich bei allen Mitgliedern, bei der Vor­standschaft und dem Fachbeirat. Durch das stets konstruktive Miteinander, das Vertrauen und die Unterstützung kann so überaus positiv auf die letzten 25 Jahre zurückgeblickt werden. Großer Dank ging auch an alle Ökosponsoren, die mit ihrem Beitrag die Projekte des Landschafts­pflegeverbands nachhaltig seit vielen Jahren unterstützen. Mit zwei neuen Ökosponsoren, der Huber Technology-STIFTUNGsowie die Firma BGN Gleichauf-Haustechnik, ist die Sponsoren-Familie des Landschaftspflegeverbands auf mittlerweile zwölf Ökosponsoren angewachsen. Ein großes Dankeschön und Lob für das große Engagement ging an die Geschäftsstelle des Land­schaftspflegeverbands, insbesondere auch an Geschäftsführer Werner Thumann, der als Grün­dungsgeschäftsführer nun seit 25 Jahren die Geschicke des Landschaftspflegeverbands leitet und ihn aus kleinen Anfängen zu dieser bedeutenden Einrichtung für den Landkreis Neumarkt entwickelte.

 

Neuwahl der Vorstandschaft:

Im Rahmen der Mitgliederversammlung fand die turnusgemäße Neuwahl der Vorstandschaft statt.

Die Vorstandschaft setzt sich zusammen aus jeweils vier Vertretern für die Kommunen, für die Landwirtschaft und für den Naturschutz. Diese Drittelparität ist wesentliches Merkmal der Landschaftspflegeverbände.

 

Neugewählter Vorstand, 14.September 2020, für vier Jahre:

 

für die Kommunen:

Vorstand:

Vertreter:

Landrat Willibald Gailler (Vorsitzender)

Bürgermeister Ludwig Lang

Markt Lauterhofen

stellv. Landrat und Bürgermeister Josef Bauer Stadt Parsberg (stellv. Vorsitzender)

Bürgermeister Christian Schmid

Stadt Velburg

Bürgermeister Alexander Dorr

Stadt Freystadt

Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer

Gemeinde Mühlhausen

Bürgermeister Horst Kratzer

Markt Postbauer-Heng

Bürgermeister Ludwig Eisenreich

Stadt Berching

 

für die Landwirtschaft:

Vorstand:

Vertreter:

Michael Gruber, Kreisobmann BBV

Günching

Konrad Maget, stellv. Kreisobmann BBV

Dantersdorf

Beate Niebler, Vorsitzende MR Neumarkt plus

Lauterhofen

Gerhard Graml, Biolandwirt

Habertshofen

Albert Hengl, Landwirt

Wissing

Michael Feichtmeier

Tauernfeld

Thomas Bayerl, BBV-Kreisgeschäftsführer

Stephanie Lukas, Fachberaterin BBV

 

für den Naturschutz:

Vorstand:

Vertreter:

für Bund Naturschutz:

Kerstin Nickel-Bielaczek, Neumarkt

 

Dr. Josef Guttenberger, Velburg

für Landesbund für Vogelschutz:

Georg Knipfer, Neumarkt

 

Rudolf Schwarzer, Neumarkt-Holzheim

für Kreisverband für Gartenbau und Landespflege:

Daniela Partl, Oberhembach

 

 

Georg Haubner, Wettenhofen

für Jagdverbände:

BJV Kreisgruppe Neumarkt

Dr. Jürgen Ruff, Pyrbaum

 

Jagdschutzverein „Hubertus“ Neumarkt

Hans-Martin Macher, Mühlhausen

 

Weiterhin wurden bestimmt:

Schriftführer:

Bürgermeister Horst Kratzer,

Markt Postbauer-Heng

Kassenprüfer

Bürgermeister a. D. Guido Belzl, Pyrbaum

Karl Klebl, Wolfsricht

 

Ein großer Dank ging an alle ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Bürgermeister a. D. Bernhard Kraus, Bürgermeister a. D. Bernhard Graf, Bürgermeister a.D. Alois Scherer, Bürgermeister a. D. Adolf Wolf, ehem. Kreisobmann Martin Schmid, Landwirt Konrad Maier, und Fachberater Franz-Josef Poll.